Baukulturelle Bildung

Dass die Baukultur auch knapp 20 Jahre, nachdem sie in Deutschland zum nationalen Interesse erhoben wurde, noch immer ein Schattendasein im gesellschaftlichen Bewusstsein führt, hat auch damit zu tun, dass es bislang nicht gelungen ist, die baukulturelle Bildung systematisch in den Schulen und in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften zu verankern. Zwar hat die Architektur inzwischen Eingang in sämtliche Rahmenlehrpläne aller Alters- und Schulstufen für das Fach Kunst gefunden, ob ein Kind jedoch im Laufe seiner Schulzeit mit Architektur und Baukultur in Berührung kommt, ist immer noch Glücksache. Die Hemmschwelle, sich dem Thema anzunehmen, ist für viele Lehrkräfte groß, da vermeintlich viel Wissen vorausgesetzt wird und Architektur und Städtebau häufig als Spezialdisziplinen wahrgenommen werden, die nichts oder wenig mit der eigenen Lebenswirklichkeit zu tun haben.

Der viertägige Fortbildungs-Workshop, der am Berlin Career College der Universität der Künste Berlin angeboten wird, zeichnet sich durch einen innovativen Zugang aus, der sich von den gängigen Konzepten in der baukulturellen Bildung unterscheidet: Während in der Regel der Zugang über das Konstruieren und Gestalten gesucht wird, steht hier das bewusste Sehenlernen und das Sprechen über die gestaltete Umwelt im Fokus der Fortbildung. Die Teilnehmenden erleben, dass es ganz einfach ist, Kinder und Jugendliche an Architektur heranzuführen – und, dass es hierfür keinerlei Vor- oder Fachwissen bedarf. Vermittelt werden Zugänge und Strategien, um Kinder und Jugendliche in schulischen oder außerschulischen Kontexten für die gebaute Umwelt zu sensibilisieren und mit ihnen ins Nachdenken, Sprechen und Philosophieren über Architektur zu kommen.

Verankert ist der Workshop an der grund_schule der künste, einem innovativen Bildungsort an der Universität der Künste Berlin, der an der Schnittstelle von Hochschule, Schule und Bildungsinstitution angesiedelt ist. Ästhetische Bildungsprozesse, die die Perspektive des Kindes berücksichtigen, stehen in Zentrum dieses außergewöhnlichen Ortes, an dem Forschung, Lehre, Studium und Bildung praktiziert und theoretisch reflektiert werden. Der Großteil der gemeinsamen Workshop-Arbeit wird jedoch im Stadtraum stattfinden, wobei im Fokus weniger das Herausragende und Besondere, als vielmehr die Alltagsarchitektur stehen wird.

Die Teilnehmenden werden auf praktischer Ebene an spielerische und experimentelle Verfahren und unterschiedlichste Flaniertechniken herangeführt. Ergänzend erhalten sie auf theoretischer Ebene Einblicke in Architektur- bzw. Wahrnehmungspsychologie und die ästhetische Bildung von Kindern und Jugendlichen. Sie bekommen vielfältige Anregungen, Kinder und Jugendliche anzuleiten, sich mit Architektur, Städtebau und Baukultur im weitesten Sinne auseinanderzusetzen und sich baukulturell zu bilden. Im Rahmen des Workshops werden sie dabei unterstützt, eigene Zugänge und erste Konzeptansätze zur Vermittlung von Baukultur zu entwickeln und diese im Schul- und Bildungsalltag zu verorten.

Neben Lehrkräften, Pädagogen und Kulturvermittlern richtet sich der Workshop auch an Architekten, die ihr Vermittlungsrepertoire über das Bauen und Konstruieren hinaus um weitere Zugänge erweitern möchten. Durch das gemeinsame Lernen können nicht nur Kooperationen zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der unterschiedlichen Berufsgruppen entstehen, sondern im Idealfall werden die eigenen Erfahrungsräume um weitere professionelle Perspektiven, Zugänge und Sichtweisen ergänzt und bereichert.

Konzeption und Workshop-Leitung:
Dr. phil. Turit Fröbe ist Architekturhistorikerin und Urbanistin. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der grund_schule der künste, ist freiberuflich als Sachbuchautorin tätig und hat 2014 die STADTDENKEREI gegründet, mit der sie Städten und Gemeinden eine unkonventionelle, spielerische Baukulturvermittlung anbietet, aber auch Vermittlungskonzepte für Kinder und Jugendliche entwickelt.

Univ.-Prof. Dr. phil. Kirsten Winderlich ist Professorin an der UdK Berlin und leitet dort die grund_schule der künste, einen Bildungsraum an der Schnittstelle zwischen Hochschule, Schule und Kulturinstitution. Ihre Schwerpunkte liegen in der Kindheitsforschung unter besonderer Berücksichtigung der Perspektive Ästhetischer Bildung in Theorie und Praxis.

Further information
Die Teilnehmenden benötigen den Wetterbedingungen entsprechende Kleidung, da der Großteil des Workshops im Stadtraum stattfinden soll.

Im Vorfeld erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein Kartenspiel mit spannenden Aufgaben, die auf den Workshop einstimmen werden.

Mit freundlicher Unterstützung der grund_schule der künste

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Attendance fee:
290 Euro
Number of hours:
18
Min. number of participants:
15
Max. number of participants:

15
Run period:
13.09.2019 – 26.10.2019
Duration:
18 hours
 
13./14. September 2019
25./26. Oktober 2019
freitags 09:00 - 18:00 Uhr
samstags 09:00 - 18:00 Uhr
Application Deadline:

14.08.2019
open